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Eintrag vom 02.04.2025

Mitgliederporträt „Nürtinger Zeitung“ und Senner-Druck: Markus Krichenbauer

Transformation in Verlag und Druckhaus: Wie Markus Krichenbauer als Zeitungsverleger die „Nürtinger Zeitung“ und als Druckerei-Chef das Senner Druckhaus in die Zukunft führt.

Markus Krichenbauer, Geschäftsführer Senner Druckhaus GmbH

Für ihr Alter kommt die „Nürtinger Zeitung" (NTZ) ganz schön rüstig daher. Erstmals erschienen am 12. Mai 1831 als „Wochenblatt für das Oberamt Nürtingen", ist sie eine der ältesten Tageszeitungen Deutschlands. Zusammen mit dem Schwesterblatt „Wendlinger Zeitung" (WZ) werden täglich knapp 20.000 Exemplare verbreitet, hinzu kommt das Gratisblatt „Nürtinger Extra", das als haushaltsabdeckende Wochenzeitung erscheint. Digital ist die NTZ als E-Paper und via Website präsent.

Bleibt Print?

Ob die Zeitung zu ihrem 200. Geburtstag, also in sechs Jahren, noch im täglichen Printformat erscheint, darauf würde Verleger Markus Krichenbauer nicht wetten. Die Kosten für Zustellung, Papier und Energie sind in den letzten Jahren enorm gestiegen, zugleich werden Nachrichten immer stärker digital konsumiert. „Da stellt sich die Frage, ob und wie lange die gedruckte Zeitung noch wirtschaftlich ist." Dass die NTZ irgendwann nur noch als Wochenzeitung gedruckt wird, schreckt ihn nicht.

„Print steht für Wertigkeit und Entschleunigung, deshalb wird es gedruckte Medien noch lange geben, aber weniger und vermutlich opulenter."

Krichenbauer führt das Familienunternehmen, Senner Medien, unter dessen Dach der Zeitungsverlag und das Senner Druckhaus beheimatet sind, in sechster Generation. „Ich bin mit Zeitungen und Druckerei aufgewachsen, bis heute mag ich große Maschinen und den Geruch von Farbe", sagt der 47-Jährige. Vieles ist im Umbruch, Tradition trifft auf Transformation, aber „für einen Unternehmer sind das spannende Zeiten". Deshalb befasst sich Krichenbauer unerschrocken mit Zukunftsfragen, wie etwa jener, wie sein Druckhaus ausgelastet sein wird, wenn die Zeitung – sie beansprucht heute etwa die Hälfte der Kapazitäten – nur noch einmal pro Woche statt täglich produziert werden sollte.

Kundenmehrwert sorgt für Druckhaus-Auslastung Unabhängig davon spielt die Druckerei für Senner Medien keine Neben-, sondern eine Hauptrolle. Auch deshalb wird Wert darauf gelegt, dass die Mitarbeitenden bestens qualifiziert, die Maschinen auf modernstem Stand und die Angebote wettbewerbsfähig sind. „Neben der Qualität garantieren wir kurze Reaktionszeiten, das zeichnet uns aus. Wir können ,schnell'", erläutert Krichenbauer. Seit mehr als 30 Jahren wird für Industrie und Handel gedruckt, daher „kennen wir die Besonderheiten und Bedürfnisse der Unternehmen gut und stellen uns darauf ein".

Es gehe nicht nur darum, bloß einen Auftrag abzuwickeln, sondern dem Kunden einen Mehrwert zu verschaffen. Senner Druck versteht sich auch als Dienstleister für einwandfreie Abwicklung von Lagerhaltung, Transport und Kommissionierung der Druckerzeugnisse. „Unsere Stärke ist, dass wir uns in die Lieferkette unserer Kunden integrieren und dadurch die Zusammenarbeit so reibungslos wie möglich gestalten", betont Krichenbauer.

Know-how-Transfer

Im November 2014 wurde er Geschäftsführer von Senner Medien, knapp vier Jahre zuvor war er als Leiter Produktentwicklung & Online Services ins Management eingestiegen. Studium und externe Stationen lagen da schon hinter ihm: Einer Ausbildung zum Verlagskaufmann bei der Zeitungsgruppe Stuttgart („Stuttgarter Zeitung") folgte das BWL-Studium, ehe er für drei Jahre bei der Mediengruppe Rheinische Post als Channelmanager von RP Online arbeitete. „Dort habe ich sehr viel über Konzeption und Produktmanagement gelernt und mit ins Unternehmen gebracht", so Krichenbauer.

Erfolgreiche Content-Monetarisierung

Rund ein Drittel der 120 Mitarbeitenden der Dachgesellschaft Senner Medien gehören zum Druckhaus, der Rest ist im Verlag beschäftigt. Der Umsatz verteilt sich etwa in gleicher Relation auf die beiden Geschäftsfelder. Weil der Trend sinkender (Abo-)Auflagen auch die „Nürtinger Zeitung" trifft, hält es Krichenbauer für umso wichtiger, dass redaktioneller Inhalt nicht verschenkt wird. Schon 2003, als kaum jemand in der Branche darüber sprach, wurde auf der Website eine Paywall installiert, und seit 2012 gibt's den digitalen Tagespass. Für 2,50 Euro kann man 24 Stunden lang alle Artikel auf NTZ.de und das E-Paper lesen sowie das komplette Archiv nutzen. „Dadurch schaffen wir ein durchlässiges Bezahlmodell und ein niedrigschwelliges Angebot für interessierte Leser", sagt Markus Krichenbauer.

2 ist mehr als 1+1

Zu seiner Rolle als Geschäftsführer der Senner Medien mit Verantwortung sowohl für den Zeitungsverlag als auch für das Druckhaus, sagt er: „Ich habe zwei Hüte auf." Gerade in veränderungsträchtigen Zeiten sei das ein Vorteil. Zwar „muss jedes der beiden Geschäftsfelder für sich lebensfähig sein", so der Unternehmer, aber die Expertise aus Verlag inklusive digitaler Medien sowie Druckerei bringt im besten Fall gebündelte Kompetenz, schnelleren Zugang zu Kunden und Marktnähe hervor. So entwickelt Senner Medien für verschiedenste Auftraggeber werbewirksame (Print-)Publikationen und digitale Kommunikationsmaßnahmen; für etliche namhafte Industriekunden produziert das Druckhaus zudem seit Jahren Bedienungsanleitungen und Manuals.

Nachhaltigkeit von Print

Umweltschonend zu produzieren, steht dabei weit oben auf der Agenda. Zum Beispiel „drucken wir seit 2020 als eine der ersten Zeitungen in Deutschland mineralölfrei". Krichenbauer nimmt Nachhaltigkeit ernst. „Richtig ein- und umgesetzt, erweisen sich Umweltmaßnahmen meist als wirtschaftlich. Und warum sollen wir unseren Kindern eine Welt hinterlassen, die schlechter ist, als unsere es war?"

www.senner-druckhaus.de